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Wenn SupermĂ€rkte Preise heimlich erhöhen – erkennen und reagieren

versteckte Preiserhöhungen Supermarkt: Wenn Preise heimlich steigen

Letztes Update: 26. August 2024

Die Preistransparenz schmilzt wie Eis: Der Artikel erklĂ€rt, wie SupermĂ€rkte durch versteckte Preiserhöhungen (Shrinkflation, Rezeptur- und VerpackungsĂ€nderungen, Etiketten-Tricks) Margen sichern. Er zeigt Erkennungszeichen und gibt Praxistipps fĂŒr Monitoring und transparente Kommunikation, damit Sie das Vertrauen Ihrer Kunden bewahren.

Wenn die Preistransparenz schmilzt wie das Eis in der Sonne

Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt sind ein wachsendes Problem, das nicht nur Verbraucher, sondern auch HĂ€ndler vor Herausforderungen stellt. Ein aktuelles Beispiel ist die Firma Unilever, die im Februar 2024 die FĂŒllmenge ihrer „Cremissimo“-Eissorten von 900 Milliliter auf 825 Milliliter reduziert hat, ohne den Preis zu senken. „Das ist ein unter Herstellern verbreiteter Trick“, sagt Antonia BrandstĂ€dter von der Verbraucherzentrale NRW. „Solche versteckten Preissteigerungen sind mittlerweile zu einem DauerĂ€rgernis beim tĂ€glichen Einkauf geworden.“

Die TĂŒcken der Grundpreisangaben

Die Grundpreisangabe ist, mit wenigen Ausnahmen, beim Verkauf von fast allen Lebensmitteln verpflichtend vorgeschrieben. Sie bezieht sich auf ein Kilogramm oder einen Liter eines Lebensmittels und soll den Preisvergleich erleichtern. Doch in der Praxis zeigt sich, dass diese gesetzliche Vorgabe oft nicht durchgĂ€ngig umgesetzt wird. Eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale NRW in 19 MĂ€rkten verdeutlicht dies. Bei Produkten von „Milka“ und „Katjes“ wurden ebenfalls fehlerhafte Grundpreisangaben festgestellt.

Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt

Die Verbraucherzentrale NRW hat die Grundpreisangaben von insgesamt 86 Produkten in 19 MĂ€rkten (Aldi, Lidl, Rewe und Edeka) geprĂŒft. Einige der „Milka“-Schokoladentafeln, „Katjes“-Fruchtgummis und „Cremissimo“-Eispackungen sind dabei negativ aufgefallen. Grund dafĂŒr sind kĂŒrzlich eingefĂŒhrte FĂŒllmengen-Reduzierungen bei den genannten Produkten, die offenbar zu Falschauszeichnungen durch die HĂ€ndler gefĂŒhrt haben. Im Fall der Eismarke war in rund der HĂ€lfte der MĂ€rkte die Grundpreisauszeichnung falsch.

HĂ€ufig bezog sie sich auf die alte FĂŒllmenge von 900 Millilitern, wĂ€hrend aber nur die neue, kleinere Packung in der KĂŒhltheke zu finden war. Auch andersherum war dies feststellbar. Dann fanden sich 900 Milliliter-Packungen ĂŒber Preisschildern, auf denen der Grundpreis fĂŒr 825 Milliliter angegeben war. Teilweise gab es mehrere FĂŒllmengen und Grundpreise auf einem Schild, wodurch die Preise nicht klar zuzuordnen waren. „Teilweise fanden wir auch 1.300 Milliliter-Dosen in den KĂŒhltruhen, die ĂŒberhaupt nicht ausgezeichnet waren. Das erschwert nicht nur den Preisvergleich mit den Produkten anderer Hersteller, sondern auch den Vergleich verschiedener ‚Cremissimo‘-Produkte mit verschiedenen FĂŒllmengen“, so Antonia BrandstĂ€dter.

Die Auswirkungen auf den Handel

Die fehlerhaften Grundpreisangaben sind nicht nur ein Ärgernis fĂŒr Verbraucher, sondern auch fĂŒr HĂ€ndler. Diese mĂŒssen sicherstellen, dass die Preisschilder stets aktuell und korrekt sind. Doch die Vielzahl an unterschiedlichen FĂŒllmengen und VerpackungsgrĂ¶ĂŸen macht dies zu einer Herausforderung. „Bei der Schokolade herrscht teils ein FĂŒllmengen-Durcheinander, denn es gibt Tafeln mit 100 Gramm, 90 Gramm oder krummen Werten wie 87 Gramm oder 81 Gramm. Da sollten Verbraucher:innen genau hinsehen. Denn verlĂ€ssliche Grundpreisangaben sind gerade in Zeiten der Inflation und weiterhin hoher Lebensmittelpreise besonders wichtig“, betont Antonia BrandstĂ€dter.

Forderungen nach mehr Transparenz

In Frankreich mĂŒssen versteckte Preiserhöhungen in Form von FĂŒllmengenreduzierungen seit dem 1. Juli 2024 am Regal gekennzeichnet werden. „Das klingt zunĂ€chst nach mehr Transparenz fĂŒr Verbraucher:innen. Doch dadurch steigt sogar die Gefahr falscher Angaben, denn die Verantwortung fĂŒr die korrekte Grundpreisangabe wird von den Herstellern auf die HĂ€ndler verlagert, die sich im Kuddelmuddel der krummen FĂŒllmengen offenbar nicht immer zurechtfinden“, so Antonia BrandstĂ€dter.

Um die Transparenz dennoch zu verbessern, schließt sich die Verbraucherzentrale NRW der Forderung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes an: Demnach sollten Hersteller verpflichtet sein, die Verpackung ihrer Produkte fĂŒr mindestens sechs Monate mit einem Hinweis zu versehen, sobald sie die FĂŒllmenge, die VerpackungsgrĂ¶ĂŸe oder die Zusammensetzung verĂ€ndern. Zudem sollte eine Meldestelle eingerichtet werden, bei der Verbraucher:innen FĂ€lle von versteckten Preiserhöhungen einreichen können.

Die Rolle der Verbraucher

Verbraucher spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen versteckte Preiserhöhungen. Sie sollten beim Einkauf stets auf die Grundpreisangaben achten und diese mit den FĂŒllmengen vergleichen. „Verbraucherbeschwerden zeigen regelmĂ€ĂŸig, dass diese gesetzliche Vorgabe leider nicht durchgĂ€ngig umgesetzt wird. In der Praxis fehlen die Grundpreise mitunter an den Regalen vollstĂ€ndig oder werden so klein gedruckt, dass sie nur schwer lesbar sind“, kritisiert Antonia BrandstĂ€dter.

Ein wachsames Auge und das Melden von UnregelmĂ€ĂŸigkeiten können dazu beitragen, die Transparenz im Handel zu erhöhen. Nur so kann sichergestellt werden, dass versteckte Preiserhöhungen nicht unbemerkt bleiben und die Verbraucher nicht benachteiligt werden.

Fazit

Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt sind ein komplexes Problem, das sowohl Verbraucher als auch HĂ€ndler betrifft. Die fehlerhaften Grundpreisangaben erschweren den Preisvergleich und fĂŒhren zu Verwirrung. Um die Transparenz zu verbessern, sind sowohl gesetzliche Maßnahmen als auch das Engagement der Verbraucher notwendig. Nur durch gemeinsame Anstrengungen kann die Preistransparenz im Handel gewĂ€hrleistet werden.

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